Gedanken zum Standard des Beagle

 

Wenn Sie einen Beagle als Haus- und Familienhund bei sich aufnehmen wollen ist es eigentlich unerheblich ob das Oberkopf-/Fangverhältnis stimmt, die Ohren genügend lang und tief angesetzt sind und die Augen ein dunkles Braun aufweisen; auch die Rückenlänge, die Knochenstärke oder die Behaarung und Haltung der Rute sollte für Sie zweitrangig sein. Diese Details sind dann wichtig, wenn Sie Ihren Hund regelmäßig erfolgreich ausstellen oder mit ihm züchten wollen.

Ganz entscheidend für ein langes, glückliches Zusammenleben mit einem Beagle sind seine Robustheit, sein Charakter und sein Wesen.

Der Standard beschreibt den Beagle als robusten, kompakten Hund. Dies bedeutet nichts anderes, als dass der Beagle kräftig, sportlich und wohlausgewogen ist und deshalb nicht mit einer „Runde um den Block“ zufrieden gestellt werden kann. Er wird laut F.C.I.-Reglement (F.C.I. = Fédération Cynologique International = Internationaler Dachverband) zu den Laufhunden gezählt und unter einem Laufhund verstehe ich einen Hund, der ausdauernde Bewegung nicht nur will, sondern auch braucht.

Charakteristisch für den Beagle ist auch seine Fröhlichkeit, seine Lebhaftigkeit und seine Lebensfreude. In all den Jahren, in denen ich mit Beagles zusammenlebe, habe ich bei dieser Rasse noch nie einen eigenbrötlerischen oder mürrischen Hund erlebt. Er ist ein unermüdlicher Spielkamerad für Kinder und Erwachsene (aber kein Spielzeug!), ein Charmeur, der gekonnt die Dame/den Herrn des Hauses um den Finger wickelt, er ist ein begnadeter Dieb von Speisen, Spielzeug, Socken, Schuhen, Wäsche, Büchern usw. usw. und er ist ein Temperamentsbündel, das von seiner Familie beschäftigt werden will, wenn er nicht gerade schläft. Befasst man sich nicht mit ihm, dann sucht er sich als intelligenter Bursche eben selbst eine Beschäftigung und so kommt es dann zu den oben beschriebenen Diebereien; im Extremfall zu einer hundegerechten Umgestaltung der Wohnung.

Eine weitere Charakteristika ist seine Jagdpassion. Seit Jahrhunderten auf jagdliche Leistung gezüchtet, ist das spurlaute Jagen auf der Wildfährte (vornehmlich Hase) eine Anlage des Beagles. Diese Anlage, verständlicher ausgedrückt „Fertigkeit“, ist beim einzelnen Individuum unterschiedlich stark ausgeprägt, so wie sich bei uns Menschen die Fähigkeit für Mathematik, Kunst oder Sport unterscheiden. Ganz selten findet man beim Beagle Exemplare, die überhaupt nicht jagen.

Der Beagle ist unerschrocken. Dies hat nicht unbedingt mit Mut zu tun, sondern mit vorbehaltlosem Entdecken und Untersuchen von fremden Dingen, Situationen und Menschen. Zähigkeit und Zielstrebigkeit zeigt er nicht nur bei der Jagd, sondern auch oft beim Nichtbefolgen von Anweisungen oder beim „Organisieren“ von Fressbarem. Dass der Beagle intelligent, aufgeweckt und ausgeglichen ist, habe ich schon geschildert. Ein normaler Beagle ist aber auch frei von Aggressivität oder Ängstlichkeit und dank seiner jahrhundertlangen Meutevergangenheit ist er nicht nur verträglich mit anderen Hunden, er braucht regelmäßigen Kontakt mit anderen Artgenossen, um ein glückliches Beagleleben führen zu können.